Ohne Bienen kein Leben

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Mit ihrem dystopischen Jugendroman möchte Caryl Lewis aufzeigen, wie unser Leben aussehen könnte, nachdem die Bienen ausgestorben sind. Ein Bild, welches ich mir nicht vorstellen möchte!

Im Zukunftsszenario der Autorin werden alle Mädchen mit elf Jahren von ihren Eltern getrennt und in ein Camp gebracht. Dort müssen sie Tag für Tag Baumblüten per Hand bestäuben oder Pinsel für die Bestäubung herstellen. Die Arbeit ist anstrengend, das Essen karg und die Mädchen werden rund um die Uhr bewacht. Freizeit, Privatsphäre oder eine unbeschwerte Kindheit gibt es nicht. Hier gibt es keine freie Meinung, keine Kunst oder etwas an dem man sich erfreuen könnte. Macht und Unterdrückung sind an der Tagesordnung. Mit dem Einsetzen der Periode werden die Mädchen zwangsverheiratet, um Kinder zu gebären und das System zu erhalten.
Aber auch die Jungen werden aus der Familie geholt und als Soldaten ausgebildet. Sie bewachen die namenslose Stadt und das Lager.
Es ist ein erdrückendes Szenario und man spürt die Hoffnungslosigkeit durch die Seiten. Doch es gibt auch Mädchen, die von Freiheit träumen und versuchen aufzubegehren. Jess ist eine davon. Wir begleiten sie im Camp und lernen auch ihre Freundinnen Cass, Deva und Zuri kennen. Jess kennt die Welt vor dem Kollaps aus Büchern, denn ihre Mutter hat ihr und ihrem Bruder Shey das Lesen beigebracht. Sie liebt Bücher und Kunst, interessiert sich für die Natur und hinterfragt Dinge, die für die meisten Mädchen selbstverständlich geworden sind. Jess hat außerdem von Gerüchten gehört, dass es im Norden ein Land geben soll, wo es noch genügend Nahrungsmittel geben und die Natur noch nicht so zerstört sein soll.
Schon als Kind hat sie gerne gezeichnet und als ihr der junge Wachmann Eliot Farben aus der Stadt schmuggelt, beginnt sie heimlich zu malen. Dabei entfacht sie mit ihrem Bild an der Lagermauer einen kleinen Funken einer Rebellion. Denn manchmal reicht schon ein kleines Zeichen, um Menschen daran zu erinnern, dass Freiheit möglich ist......

Die Bestäubung von Hand wird heute schon in einigen Teilen der Welt praktiziert. Das weltweite Bienensterben ist längst Realität. Diese kleinen und so wichtigen Lebewesen müssen gegen so viele Gefahren ankämpfen - nicht nur gegen die von Menschen verbreiteten Pestizide, die Krankheiten verursachen, das Schwinden ihrer Lebensräume, sondern auch gegen neue Feinde, wie die Tigerhornisse, die durch das veränderte Klima auch in unsere Gebiete eindringt.

Die Handlung wird ausschließlich aus der Sicht von Jess erzählt. Sie ist eine interessante und mutige Protagonistin. Sie ist anders, als die Mädchen im Lager, was vor allem auch an der Erziehung ihrer rebellischen Mutter liegt. Sie ist eine Außenseiterin, die sich jedoch gegenüber ihren Gegenspielern sehr fair verhält und sich im Camp mit der Zeit Akzeptanz verschafft. Sie macht eine große innere Entwicklung durch.
Aber auch die Nebenfiguren sind gut gezeichnet, allen voran die intrigante Charmian, die Jess das Leben schwer macht. Cass, Jess' beste Freundin, ist sensibel und droht an den Strapazen des Arbeitscamps zu zerbrechen. Unterstützung findet Jess ausgerechnet beim einfühlsamen Wärter Eliot, der ihr bei ihrer geheimen Kunstaktion zur Seite steht.

Der Schreibstil ist leicht lesbar und passt für die jugendliche Zielgruppe. Das Setting ist durchgehend düster und bedrückend. Die Handlung ist eher ruhig und trotzdem fesselnd.
Besonders gelungen fand ich die Darstellung, dass Widerstand nicht das Werk einer einzelnen Heldin sein muss, sondern dieser wächst, indem immer mehr Menschen den Mut finden, Fragen zu stellen und Dinge zu hinterfragen. Die Autorin spricht auch einige wichtige Themen wie Frauenrechte, Manipulation, Klimawandel oder Überwachung und Kontrolle an.

Da die Geschichte ausschließlich aus Jess' Perspektive erzählt wird, bleibt vieles über die Welt außerhalb des Camps im Unklaren. Gerne hätte ich noch weitere Einblicke in das Leben in der Stadt erfahren, wo Jess und Shey bis zum elften Lebensjahr gelebt haben und wie es in der Zwischenzeit Shey ergangen ist. Generell hätten dem Buch ein paar mehr Seiten und noch weitere Einblicke außerhalb des Camps gut getan. Dadurch wäre die Handlung noch lebendiger und facettenreicher erschienen.

Leider lässt auch das Ende viele Fragen offen, was ich generell nicht so gerne mag. Es vermittelt zwar Hoffnung, doch ich hätte mir einen etwas klareren Abschluss gewünscht.

Die Autorin erzählt im Nachwort, dass sie diese Jugenddystopie für ihre Tochter und die kommende Generation geschrieben hat.

Fazit:
Eine Dystopie, die erschreckend real klingt. Sie regt zum nachdenken und bleibt lange in Erinnerung. bleibt. Obwohl ich auch einige kleine Kritikpunkte habe, ist diese Dystopie für Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren sehr empfehlenswert!