Rebellion in Farben

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janps Avatar

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Nach dem Aussterben der letzten Biene gerät die Welt aus den Fugen: Das ist die Ausgangslage von Caryl Lewis’ Dystopie „Wenn die Bienen schweigen”. Mädchen wie die elfjährige Jess werden in Arbeitscamps gesteckt, wo sie Obstblüten von Hand bestäuben müssen. Karge Rationen, ständige Überwachung, hohe Mauern, Sand in der Lunge. Jess weiß aber, dass es früher anders war, denn ihre Mutter hat ihr heimlich Lesen und Schreiben beigebracht und von einer Welt erzählt, in der Menschen frei leben. Und Jess kann etwas, das im Camp niemand von ihr erwartet: zeichnen. Als sie zufällig an Farbe gerät, malt sie nachts heimlich ein riesiges Bild an die Lagermauer und bringt damit etwas ins Rollen, das sich nicht mehr aufhalten lässt.
Was mir an dem Buch sehr gut gefallen hat ist, dass es keine reine Öko-Katastrophengeschichte ist, bei der man am Ende mit erhobenem Zeigefinger nach Hause geschickt wird. Das Bienensterben ist eher der Türöffner für die eigentliche Frage, wie schnell eine Gesellschaft Freiheit, Bildung und Selbstbestimmung opfert, sobald Angst und Mangel den Alltag bestimmen. Lewis erzählt das erstaunlich leise. Wer krachende Wendungen erwartet, wird erstmal ausgebremst, denn die Geschichte baut sich eher schleichend auf, über Atmosphäre und diese drückende Enge, die man beim Lesen fast körperlich spürt.
Gerade die Kunst als Widerstandsform fand ich eine tolle Idee, die ich so noch nicht in einem Buch gesehen habe. Ein Bild an einer Mauer als Funke für eine ganze Rebellion (das hätte leicht kitschig geraten können), wirkt hier aber glaubwürdig, weil Lewis der Sehnsucht der Mädchen genug Raum gibt, bevor sie eskaliert. Das Ende bleibt offen, was mir aber in diesem Fall gut gefällt, denn nicht jede Dystopie muss mit einer fein verschnürten Schleife enden.
„Wenn die Bienen schweigen“ ist ein ruhiges, aber nachhallendes Buch über Unterdrückung, Kunst und die Frage, was Menschen bereit sind aufzugeben, wenn die Natur kippt.
Klare Leseempfehlung!