So, so viel kann in 300 Seiten stecken ...

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elchy Avatar

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Dass ich dieses Buch in einer Leserunde lesen und mich mit Anderen direkt darüber austauschen konnte, war eine unglaubliche Bereicherung, auch wenn das Buch allein für sich schon bewegend ist.

Alles hängt mit Allem zusammen:

Die Bienen sind ausgestorben, als logische Folge die Nahrungsmittel knapp. Aber nicht nur härteste Umweltbedingungen, auch die Folgen für das politische Machtgefüge sowie für das Volk, die Allgemeinheit, sind leider nicht allzu weit von unserer Realität entfernt.

Wie schon aus dem Klappentext hervorgeht, werden die Mädchen als „Arbeitsbienen“ benutzt. Sie sind schon in sehr jungem Alter in Camps eingepfercht und haben keinerlei Rechte oder Aussichten auf Freiheit. Zugleich wird (natürlich) Bildung wie auch jegliche Möglichkeit für Kreativität vorenthalten. Auch solche Strukturen kennen wir bereits aus manchen anderen Staaten.
Insofern hat das Buch schon viel Bedrückendes. Aber das ist ja nicht alles. Denn die Protagonistin, Jess, hatte das Privileg, anders als die Mehrheit aufzuwachsen. Ihre Mutter nebst einer weiteren Bezugsperson haben ihr beigebracht, wie es früher ausgesehen hat, haben sie lesen, schreiben, malen und hinterfragen gelehrt.

Die zentrale Handlung des Buches besteht in der zunächst stillen, dann immer lauter werdenden Rebellion innerhalb des Camps, angeführt von Jess und dem Soldaten Eliot, der die Mittel organisiert und sie ermutigt.
Eine Rebellion besteht aus Kampf, wenn auch nicht zwingend gewaltsam. So verwundert es nicht, dass die Führungspersonen alles versuchen, kritisches Gedankengut, Bindungen und erst recht Unruhen im Keim zu ersticken. Eben alles, was Diktatoren und deren Unterhändler so tun, um ihre Diktatur aufrecht zu erhalten.
Das alles hat bei mir immer wieder für Atemstock – Momente gesorgt.

Neben der Spannung kommen aber auch die Charaktere nicht zu kurz. Nicht nur Jess, sondern auch Nebenfiguren werden lebendig gezeichnet, mit Ängsten und Hoffnungen, Eigenheiten und Verhaltensweisen, positiv wie negativ.

Das Buch erzählt alles, was Jess erlebt oder zum Teil eben erlebt hat, bevor sie ins Camp kam. So erfahren die Lesenden wenig bis gar nichts über die Außenwelt, was mit den Jungen geschieht und wie die Strukturen außerhalb dieser Anlage aussehen. Mich persönlich hat das nicht im Geringsten gestört, weil ich den rein auf Jess gerichteten Fokus gut annehmen kann. Anderen Lesenden reicht das vielleicht nicht.
Ebenso manche „allzu glücklichen Fügungen“, die nicht wirklich realistisch sind. Doch im Rahmen eines Romans kann ich über solche Logiklücken hinweg sehen, sofern sie nicht überhand nehmen.

Das Ende schließlich ist kein „Ende gut, alles gut“. Es bleiben einige Fragen und Entwicklungen offen. Mir gefällt das, es bleibt Raum für die eigene Fantasie sowie hoffentlich für eine Fortsetzung.

Für mich war das Buch ein Highlight. Spannung, Charaktertiefe, Freundschaften trotz aller Unterschiedlichkeit, dystopische, bedrückende Düsterkeit, aber auch Hoffnung zeichnen dieses Buch aus. Viele Szenen haben zudem einen starken symbolischen Charakter. Dies alles zusammen hat mir ein großes Lesevergnügen beschert, mich aber auch nachdenklich gestimmt.

Last but not least gibt es im Nachwort, sowie auch zwischendurch eingestreut, einige interessante Fakten Bienen betreffend, was das Bild für mich abrundet, dass das Buch nicht nur unterhalten, sondern auch deutlich warnen will.