Spannungsgeladene Dystopie, die nicht mehr weit weg ist
„Wenn die Bienen schweigen“ von Caryl Lewis, ein Jugendroman erschienen 2026 bei dtv, widmet sich einem wichtigen Thema mit viel Spannung und macht dabei fast alles richtig.
Die Handlung spielt zu einem unbekannten Zeitpunkt in einem unbekannten Land. Nachdem die letzten Bienen ausgestorben sind und das Klima endgültig gekippt ist, herrscht im Land eine Militärdiktatur, die mit roher Gewalt regiert. Im Alter von elf Jahren werden Mädchen in Camps gezwungen, wo sie bis zu ihrer Geschlechtsreife mit durchschnittlich 15/16 Jahren für die Gesellschaft arbeiten müssen, indem sie Obstbäume und andere fruchttragende Pflanzen bestäuben – bis sie dann mit biologisch und genetisch zu ihnen passenden Männern zwangsverheiratet werden und dem Staat nunmehr als Gebärmaschinen dienen dürfen. Dabei werden sie knapp gehalten und leben unter entwürdigenden Bedingungen. Doch auch den jungen Männern scheint es nicht viel besser zu gehen, sie werden in den Militärdienst gestellt und müssen dabei helfen, die Ruhe im Land zu bewahren – egal mit welchen Mitteln. Auch Jess ist in einem solchen Camp interniert, nachdem sie zuvor versucht hatte, durch eine gemeinsame Flucht mit ihrem Bruder Shey zu entkommen. Die Flucht misslang und über ihren Bruder hat sie keine weiteren Informationen. Jess gehört im Camp zu den Underdogs, gepeinigt von ihrer Widersacherin Charmain, nur eine Freundschaft mit Cass hält sie am Leben. Bis sie eines Tages eine zarte Verbindung zum Wachsoldaten Eliot aufbaut und von ihm Farben und Pinsel erhält – und damit eine Revolution in Gang setzt.
Caryl Lewis widmet sich hier einem der wohl drängendsten und zeitgleich am meisten ignorierten Themen unserer Zeit: Der drohenden Klimakatastrophe und dem damit verbundenen Artensterben, von dem das Insektensterben erst der Anfang ist. Und das Bedrohliche dabei ist: Wir sind schon mittendrin, wem das durch diesen Roman nicht deutlich wird, dem ist nicht mehr zu helfen. Das Buch ist als Jugendbuch deklariert, und die Autorin schreibt sehr passend für die Zielgruppe, mit durchgehend hoher Spannung, nicht überkomplexer Figurenkonstruktion und klarer Sprache. Dabei hat dennoch jede Figur ihr Geheimnis und es gibt einige Überraschungen. Auch schreibt sie nicht romantisierend und erspart den Lesenden überbordende Love-Storys, stattdessen beschäftigt sie sich mit Freundschaft und Solidarität. Geschickt webt Lewis wichtige Informationen über Gesellschaft und Umwelt ein und stellt niederschwellig ethische und philosophische Fragen. Das Worldbuilding funktioniert sehr gut. Die dystopische Welt ist sehr beklemmend und die Lager weisen Ähnlichkeiten mit KZs auf – auch die inhaltliche Nähe zu The Handmaids Tale ist sicher nicht zufällig. Was auch sehr gelungen herausgearbeitet wird, ist die Bedeutung von Bildung und Kultur, da geht mir das Herz auf. Auf dieser Ebene verbindet sich die Autorin durch geschickt gewählte Beispiele auch sehr real mit ihren Leser:innen.
Einzig das Ende lässt mich etwas unbefriedigt zurück. Viele losen Enden werden zwar geschlossen und auch der finale Aufstand war gut beschrieben, leider wird es am Ende aber doch sehr unplausibel und zu schnell geschrieben. Was mich auch noch gestört hat, ist, dass es so wirkt, als gäbe es „nur ein Land“ in der Geschichte, während alle Bezüge ganz klar auf unsere kontinentale Welt verweisen. Und auch diese Bezüge fand ich merkwürdig, alle Literatur ist ganz klar auf den europäischen Raum gesetzt, dann geht es aber auf einmal um Jollof-Reis. Das passt alles nicht sehr gut zusammen. Und dann gibt es am Ende auch noch ein Detail, das schlicht und einfach biologisch-physiologisch unmöglich ist.
Schade, denn bis dahin war das Buch wirklich gut und spannend, aber für diesen letzten, für mich auch sehr überhasteten Teil muss ich ein Sternchen abziehen. Spannend blieb es dennoch und die positiven Aspekte überwiegen absolut, das Buch liest sich wirklich gut. Thematisch sollte dieses Buch vielen Menschen die Augen öffnen – und dafür ist es höchste Zeit!
Die Handlung spielt zu einem unbekannten Zeitpunkt in einem unbekannten Land. Nachdem die letzten Bienen ausgestorben sind und das Klima endgültig gekippt ist, herrscht im Land eine Militärdiktatur, die mit roher Gewalt regiert. Im Alter von elf Jahren werden Mädchen in Camps gezwungen, wo sie bis zu ihrer Geschlechtsreife mit durchschnittlich 15/16 Jahren für die Gesellschaft arbeiten müssen, indem sie Obstbäume und andere fruchttragende Pflanzen bestäuben – bis sie dann mit biologisch und genetisch zu ihnen passenden Männern zwangsverheiratet werden und dem Staat nunmehr als Gebärmaschinen dienen dürfen. Dabei werden sie knapp gehalten und leben unter entwürdigenden Bedingungen. Doch auch den jungen Männern scheint es nicht viel besser zu gehen, sie werden in den Militärdienst gestellt und müssen dabei helfen, die Ruhe im Land zu bewahren – egal mit welchen Mitteln. Auch Jess ist in einem solchen Camp interniert, nachdem sie zuvor versucht hatte, durch eine gemeinsame Flucht mit ihrem Bruder Shey zu entkommen. Die Flucht misslang und über ihren Bruder hat sie keine weiteren Informationen. Jess gehört im Camp zu den Underdogs, gepeinigt von ihrer Widersacherin Charmain, nur eine Freundschaft mit Cass hält sie am Leben. Bis sie eines Tages eine zarte Verbindung zum Wachsoldaten Eliot aufbaut und von ihm Farben und Pinsel erhält – und damit eine Revolution in Gang setzt.
Caryl Lewis widmet sich hier einem der wohl drängendsten und zeitgleich am meisten ignorierten Themen unserer Zeit: Der drohenden Klimakatastrophe und dem damit verbundenen Artensterben, von dem das Insektensterben erst der Anfang ist. Und das Bedrohliche dabei ist: Wir sind schon mittendrin, wem das durch diesen Roman nicht deutlich wird, dem ist nicht mehr zu helfen. Das Buch ist als Jugendbuch deklariert, und die Autorin schreibt sehr passend für die Zielgruppe, mit durchgehend hoher Spannung, nicht überkomplexer Figurenkonstruktion und klarer Sprache. Dabei hat dennoch jede Figur ihr Geheimnis und es gibt einige Überraschungen. Auch schreibt sie nicht romantisierend und erspart den Lesenden überbordende Love-Storys, stattdessen beschäftigt sie sich mit Freundschaft und Solidarität. Geschickt webt Lewis wichtige Informationen über Gesellschaft und Umwelt ein und stellt niederschwellig ethische und philosophische Fragen. Das Worldbuilding funktioniert sehr gut. Die dystopische Welt ist sehr beklemmend und die Lager weisen Ähnlichkeiten mit KZs auf – auch die inhaltliche Nähe zu The Handmaids Tale ist sicher nicht zufällig. Was auch sehr gelungen herausgearbeitet wird, ist die Bedeutung von Bildung und Kultur, da geht mir das Herz auf. Auf dieser Ebene verbindet sich die Autorin durch geschickt gewählte Beispiele auch sehr real mit ihren Leser:innen.
Einzig das Ende lässt mich etwas unbefriedigt zurück. Viele losen Enden werden zwar geschlossen und auch der finale Aufstand war gut beschrieben, leider wird es am Ende aber doch sehr unplausibel und zu schnell geschrieben. Was mich auch noch gestört hat, ist, dass es so wirkt, als gäbe es „nur ein Land“ in der Geschichte, während alle Bezüge ganz klar auf unsere kontinentale Welt verweisen. Und auch diese Bezüge fand ich merkwürdig, alle Literatur ist ganz klar auf den europäischen Raum gesetzt, dann geht es aber auf einmal um Jollof-Reis. Das passt alles nicht sehr gut zusammen. Und dann gibt es am Ende auch noch ein Detail, das schlicht und einfach biologisch-physiologisch unmöglich ist.
Schade, denn bis dahin war das Buch wirklich gut und spannend, aber für diesen letzten, für mich auch sehr überhasteten Teil muss ich ein Sternchen abziehen. Spannend blieb es dennoch und die positiven Aspekte überwiegen absolut, das Buch liest sich wirklich gut. Thematisch sollte dieses Buch vielen Menschen die Augen öffnen – und dafür ist es höchste Zeit!