Von Kunst und Freiheit

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»In ihrer Verzweiflung plünderten die Menschen die Meere, es folgten Hungersnöte und Kriege, die Grenzen zwischen den Ländern wurden geschlossen, die Kommunikationssysteme funktionierten nicht mehr, und alles brach zusammen.« (Seite 11)

Die Welt ist nicht mehr das, was sie einmal war, die Nahrung ist knapp, das Militär hat die Macht übernommen und die Freiheit des einzelnen zählt nichts mehr in einer Gesellschaft, in der Gier und Korruption regieren. Weil die Bienen ausgestorben sind, werden Mädchen im Alter von elf Jahren in Camps gezwungen, in denen sie die Blüten der Bäume von Hand bestäuben müssen. Unter ihnen befindet sich Jess, die weiß, dass Pinsel früher nicht zum Bestäuben, sondern zum Malen erfunden wurden. Eines Nachts malt sie ein Bild und löst damit etwas Unvorhergesehenes aus. Der Gedanke an Freiheit ist ab da allgegenwärtig.

»Ich weiß noch, wie ich bei dem Gedanken an den endlos langen Baumreihen entlangschaute und begriff, dass das hier mein Leben sein würde, bis ich selbst fruchtbar wäre und ein Baby haben könnte. Ich begriff auch, dass mein Leben und mein Körper mir nicht mehr gehörten.« (Seite 24)

Caryl Lewis ist nicht nur eine preisgekrönte walisische Autorin, Dramatikerin und Drehbuchautorin, sondern auch Imkerin, wie sie in ihrem Nachwort verrät. Es ist also kein unwahrscheinliches Szenario, das sie in ihrem Buch schildert, und tatsächlich habe ich bereits mehrere Artikel zum Thema gelesen, sodass ich gespannt darauf war, in welche Richtung diese Geschichte geht. Im Vordergrund steht die Gefangenschaft der Mädchen und die Unterdrückung der Menschen, der Gedanke an Freiheit und die Individualität des Einzelnen, was mir sehr gefällt, da ich unterhalten und nicht belehrt werden möchte. In dieser Hinsicht hat die Autorin alles richtig gemacht.

Ich möchte diese Dystopie gerne empfehlen, es ist eine Heldinnengeschichte mit einer Heldin, die keine sein will. Manchmal braucht es nur einen kleinen Funken, damit etwas beginnt und das Feuer brennt. Für mich absolut lesenswert.