Düster, sinnlich und vollkommen anders als das bekannte Oz

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annigri Avatar

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„West of Wicked – Folge deinem Verlangen“ von Nikki St. Crowe** hat mich von Anfang an neugierig gemacht. Die Vorstellung, die bekannte Geschichte rund um Dorothy und das Land Oz als düstere, erwachsene Dark-Romantasy-Version neu zu erzählen, klang ungewöhnlich und spannend. Bereits das wunderschöne Cover vermittelt eine geheimnisvolle, gefährliche und zugleich verführerische Atmosphäre, die sehr gut zum Inhalt des Buches passt. Meine Erwartungen waren entsprechend hoch – und ich wurde definitiv nicht enttäuscht.

Dorothy Dale weiß nicht genau, woher sie stammt. Sie erinnert sich lediglich daran, dass sie während eines Sommersturms in Kansas von einer fremden Frau fortgegeben wurde. Inzwischen ist sie erwachsen und steckt in einem Leben fest, das sie nicht erfüllt. Obwohl Edward ihr Sicherheit bietet und sie sogar heiraten möchte, spürt Dorothy, dass ihr etwas Entscheidendes fehlt. Sie möchte herausfinden, wer sie wirklich ist, woher sie kommt und warum sie sich so sehr nach etwas sehnt, das sie selbst kaum benennen kann. Als erneut ein Wirbelsturm auftaucht, beginnt für sie eine Reise, die alles verändert.

Dorothy war für mich eine interessante Protagonistin, weil sie nicht einfach nur passiv auf die Ereignisse reagiert. Sie trägt eine tiefe innere Unruhe in sich und hat das deutliche Gefühl, nicht an den Ort zu gehören, an dem sie lebt. Ihre Sehnsucht nach Freiheit, Wahrheit und einem intensiveren Leben konnte ich gut nachvollziehen. Besonders gefallen hat mir, dass sie nicht als vollkommen oder unerschütterlich dargestellt wird. Sie zweifelt, trifft nicht immer vernünftige Entscheidungen und lässt sich teilweise von ihren Gefühlen und ihrem Verlangen leiten. Genau das macht sie menschlich und sorgt dafür, dass ihre Entwicklung spannend bleibt.

Das Land, in das Dorothy gelangt, hat nur wenig mit der freundlichen und bunten Welt zu tun, die man möglicherweise aus der klassischen Geschichte kennt. Diese Version von Oz ist düsterer, gefährlicher und wesentlich erwachsener. Hinter jeder Begegnung scheint sich ein Geheimnis zu verbergen, und man weiß nie genau, wem Dorothy wirklich vertrauen kann. Gleichzeitig besitzt die Welt etwas Magisches und Verlockendes. Ich hatte beim Lesen ständig das Gefühl, dass sowohl Dorothy als auch ich als Leserin immer tiefer in diese geheimnisvolle Welt hineingezogen werden.

Besonders gelungen fand ich die Atmosphäre. Nikki St. Crowe schafft es, eine Mischung aus Gefahr, Dunkelheit, Magie und Sinnlichkeit entstehen zu lassen. Viele Szenen wirken intensiv und beinahe greifbar. Die Umgebung ist nicht nur eine Kulisse, sondern beeinflusst die Stimmung und Dorothys Entwicklung. Man spürt, dass in dieser Welt andere Regeln gelten und dass hinter dem Offensichtlichen noch deutlich mehr verborgen liegt. Dadurch bleibt die Geschichte durchgehend geheimnisvoll.

Auch die romantischen und erotischen Elemente nehmen einen wichtigen Platz ein. Dabei handelt es sich nicht um eine sanfte Liebesgeschichte, sondern um eine düstere und leidenschaftliche Verbindung, bei der Verlangen, Macht, Versuchung und Gefahr eng miteinander verbunden sind. Die Anziehung zwischen den Figuren ist deutlich spürbar und sorgt für eine starke Spannung. Die Geschichte ist daher besonders für Leserinnen und Leser geeignet, die moralisch nicht immer eindeutig einzuordnende Charaktere, intensive Beziehungen und eine etwas dunklere Romantik mögen.

Die männlichen Figuren haben ebenfalls mein Interesse geweckt. Sie wirken geheimnisvoll, selbstbewusst und teilweise gefährlich. Man kann ihre Absichten nicht sofort einschätzen, was die Handlung zusätzlich spannend macht. Besonders interessant fand ich, dass Dorothy sich in ihrer Nähe nicht nur sicher oder unsicher fühlt, sondern gleichzeitig angezogen und herausgefordert wird. Dadurch entstehen viele intensive Momente. Die Figuren haben Ecken und Kanten und entsprechen nicht dem klassischen Bild eines perfekten Helden. Gerade diese moralischen Grauzonen passen jedoch hervorragend zum Genre.

Der Schreibstil ließ sich für mich angenehm und flüssig lesen. Die Geschichte entwickelt schnell einen Sog, sodass ich immer wissen wollte, was Dorothy als Nächstes erwartet. Die Kapitel lesen sich kurzweilig, und die Mischung aus Handlung, Geheimnissen, romantischer Spannung und sinnlichen Szenen ist gut gelungen. Besonders mochte ich, dass bekannte Elemente aus der Geschichte von Oz aufgegriffen, aber auf eine vollkommen neue und kreative Weise interpretiert werden. Man erkennt einzelne Anspielungen wieder, ohne das Gefühl zu haben, lediglich dieselbe Geschichte noch einmal zu lesen.

Natürlich sollte man vor dem Lesen wissen, dass es sich um eine **Dark Romantasy** handelt. Die Geschichte ist düster, erotisch und teilweise intensiv. Sie ist daher nicht mit einem klassischen Märchen oder einer harmlosen Fantasygeschichte zu vergleichen. Wer jedoch gerne erwachsene Retellings liest und sich auf dunklere Themen sowie leidenschaftliche Beziehungen einlassen kann, dürfte hier sehr gut unterhalten werden.

Mir hat besonders gefallen, dass Dorothy im Verlauf der Geschichte beginnt, ihr bisheriges Leben und die Erwartungen anderer infrage zu stellen. Sie möchte nicht mehr nur die Rolle erfüllen, die für sie vorgesehen wurde. Stattdessen sucht sie nach ihrer eigenen Identität und versucht herauszufinden, was sie selbst wirklich möchte. Auch wenn ihre Entscheidungen nicht immer ungefährlich sind, empfand ich ihre Suche nach Freiheit und Selbstbestimmung als einen spannenden Bestandteil der Handlung.

„West of Wicked“ ist für mich eine originelle, düstere und sinnliche Neuinterpretation des bekannten Oz-Stoffes. Das Buch verbindet eine geheimnisvolle Fantasywelt mit Dark Romance, starken Emotionen und einer ordentlichen Portion Verlangen. Besonders die Atmosphäre, die ungewöhnliche Umsetzung und die intensive Spannung zwischen den Figuren konnten mich überzeugen. Die Geschichte hat mich neugierig auf die weiteren Entwicklungen gemacht, denn noch längst sind nicht alle Fragen beantwortet und viele Geheimnisse warten darauf, aufgedeckt zu werden.
Fazit:
Eine verführerische und düstere Reise nach Oz, die mit der bekannten Kindergeschichte nur noch wenig gemeinsam hat. „West of Wicked – Folge deinem Verlangen“ bietet Magie, Gefahr, Geheimnisse, moralisch graue Charaktere und eine leidenschaftliche Dark-Romance-Geschichte. Für Fans von erwachsenen Märchenadaptionen und intensiver Romantasy ist dieses Buch eine klare Empfehlung. Ich habe die Geschichte sehr gerne gelesen und freue mich bereits darauf, weiter in diese dunkle und faszinierende Welt einzutauchen.