Düstere Oz-Neuinterpretation mit kleinen Schwächen

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helen_wlm Avatar

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In “West of Wicked“ von Nikki St. Crowe wird die bekannte Geschichte rund um Dorothy neu gedacht, deutlich düsterer, erwachsener und mit einem ganz eigenen Ton. Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, die sich schon lange fremd in ihrem eigenen Leben fühlt und schließlich in eine magische Welt gerissen wird, in der nichts so ist, wie es scheint. Viel mehr möchte ich zur Handlung gar nicht sagen, um Spoiler zu vermeiden.

Optisch macht das Buch auf jeden Fall etwas her. Das Cover passt gut zur düsteren Stimmung. Es transportiert genau diese leicht unheimliche, geheimnisvolle Atmosphäre, die man auch in der Geschichte wiederfindet.

Die Umsetzung der Idee fand ich insgesamt interessant. Die Neuinterpretation von Oz bringt einige spannende Ansätze mit sich, vor allem durch die veränderten Figuren und den deutlich erwachseneren Ton. Gleichzeitig hatte ich aber das Gefühl, dass das Buch sehr viel auf einmal will: neue Hintergründe, viele Figuren, unterschiedliche Handlungsstränge, da hätte ich mir stellenweise etwas mehr Klarheit und Tiefe gewünscht. Gerade das Worldbuilding wirkte für mich manchmal etwas unübersichtlich.

Der Schreibstil ist leicht zugänglich und sorgt dafür, dass man schnell durch die Seiten kommt. Das Tempo ist relativ hoch, was ich grundsätzlich mochte, auch wenn manche Entwicklungen dadurch etwas sprunghaft wirkten. Inhaltlich hat mich vor allem gestört, dass der Fokus teilweise sehr stark auf körperlicher Anziehung liegt, während die eigentliche Handlung für meinen Geschmack etwas in den Hintergrund rückt.

Bei den Figuren bin ich etwas zwiegespalten. Dorothy ist definitiv keine klassische Heldin, was ich spannend fand, aber ich konnte nicht immer ganz nachvollziehen, wie sie handelt oder denkt. Einige Nebenfiguren fand ich deutlich interessanter, auch wenn sie noch mehr Tiefe vertragen hätten.

Insgesamt war West of Wicked für mich ein solides, aber kein vollkommen überzeugendes Leseerlebnis. Ich sehe auf jeden Fall, warum das Buch viele Leser*innen anspricht, gerade Fans von düsteren Retellings und spicy Romantasy könnten hier genau das finden, was sie suchen. Für mich persönlich hat es aber nicht ganz gepasst.

Fazit: Eine spannende, düstere Neuinterpretation von Oz mit guten Ansätzen, die mich jedoch nicht vollständig abholen konnte. Wer schnelle, erwachsene Fantasy mit bekannten Motiven und einem Fokus auf Romantik sucht, sollte dem Buch dennoch eine Chance geben.