Düsteres Oz-Retelling mit Startschwierigkeiten und starkem Finale

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jasmin96isa Avatar

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Optisch ist „West of Wicked“ wirklich ein Highlight. Der Farbschnitt und die gesamte Gestaltung machen das Buch zu einem echten Hingucker im Regal und passen perfekt zu der düsteren Atmosphäre der Geschichte.

Inhaltlich hatte ich allerdings anfangs etwas zu kämpfen. Durch die ständig wechselnden Perspektiven und die vielen Figuren fiel mir der Einstieg nicht ganz leicht. Besonders die verschiedenen Hexen und ihre Bezeichnungen haben es mir am Anfang erschwert, richtig in die Geschichte hineinzufinden. Die Handlung zieht sich im ersten Teil teilweise deutlich und ich musste mich stellenweise wirklich motivieren weiterzulesen.

Ab etwa der Hälfte nimmt das Buch dann aber spürbar an Fahrt auf. Die Charaktere gewinnen deutlich mehr Tiefe und Dynamik und plötzlich beginnt alles viel besser zusammenzupassen. Gerade Dorothy fand ich spannend, weil man sie als Leser lange nicht richtig durchschauen kann. Auch Figuren wie der Blechmann oder Rook entwickeln sich ganz anders, als man zunächst erwartet.

Die Atmosphäre ist düster, geheimnisvoll und teilweise auch recht brutal. Die Romance spielt zwar eine Rolle, steht aber nicht permanent im Mittelpunkt. Viel wichtiger sind Dorothys Vergangenheit, ihre verlorenen Erinnerungen und die Verbindungen zu Oz.

Besonders gelungen fand ich, dass viele Figuren moralisch schwer einzuordnen sind. Man weiß oft nicht genau, wem man vertrauen kann und genau das macht die Geschichte nach dem etwas schwächeren Einstieg zunehmend spannender.

Der Cliffhanger am Ende war wirklich gemein und sorgt definitiv dafür, dass ich wissen möchte, wie es weitergeht.

Insgesamt für mich ein Buch mit kleinen Schwächen am Anfang, das sich aber deutlich steigert und am Ende Lust auf Band zwei macht.