Nostalgie und düsteres Retelling treffen aufeinander

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mummy_tests_it Avatar

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Ohne den Titel auch nur gelesen zu haben, hatte mich das Cover schon für sich gewonnen – ein perfekter Vorgeschmack auf eine Reise, die eine Brücke in meine Kindheit schlägt. Wer mit dem Klassiker aufgewachsen ist, wird hier in eine faszinierende, düstere Neuerzählung entführt. Dieses Dark-Fantasy-Retelling löst sich jedoch von der originalen Vorlage, abgesehen vom Setting und vertrauten Figuren entwickeln sich hier komplett einige Charaktere, unerwartete Pfade, und trotzdem fühlt man sich auf Grund der Verbindung direkt zu Hause und hat das Gefühl doch eine Art Fortsetzung zu lesen.

Der Einstieg gelingt wirklich gut. Die Erzählung entwickelt sofort eine Dynamik, der man sich kaum entziehen kann – ein echter Spaß die Seiten fliegen nur so dahin, das erste Drittel habe ich schneller gelesen, als mein Tee ausgetrunken war.
Ich denke es ist wieder auf die Verbindung zum Klassiker zurückzuführen, Altbekanntes und völlig unerwarteten Wendungen treffen aufeinander.

Erzählerisch wird das Geschehen primär durch Dorothys Augen dargestellt, allerdings wechselt die Perspektive immer wieder zu anderen Figuren wie Cleo, der Vogelscheuche oder dem Blechmann. Durch diesen Wechsel kann ich die Geschichte durch verschiedene Augen verfolgen und habe das Gefühl die Vielfalt der Geschichte besser zu greifen.

Insgesamt ist dieses Buch sehr flüssig zu lesen und die Handlung ist einfach nachzuvollziehen, nach dem ersten Drittel zieht es sich ein bisschen hin, aber nimmt dann für das Finale wieder Fahrt auf.
Mit unvorhersehbaren Entwicklungen und einer klaren Abwanderung der klassischen Geschichte ändert sich die Richtung stark und endet in einer Art, die einen den zweite Band vorbestellen lassen möchte.

Trotz des Untertitels „Folge deinem Verlangen“ hält sich der erotische Anteil extrem in Grenzen. Das Buch fokussiert sich hauptsächlich auf die eigentliche Handlung. Die wenigen intimen Szenen lassen sich bei Bedarf problemlos überspringen.

Alles in allem ist dieses Buch eine wirklich schöne Geschichte für alle Oz Fans, aber auch für die, die hier noch keine Verbindung haben. Die gelungene Symbiose aus vertrauter Nostalgie und modernen, moralisch ambivalenten Charakteren funktioniert erstaunlich gut – eine klare Empfehlung für alle, die Lust auf eine erwachsene Neuinterpretation haben.