Zwischen Frust und Faszination

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evaerl Avatar

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Einstieg

Ich bin ehrlich: Ich war während des Lesens von West of Wicked ziemlich hin und hergerissen. Es gab Momente, in denen ich dachte „Okay, jetzt wird’s richtig gut“, und dann wieder Abschnitte, die sich für mich eher gezogen haben. Insgesamt ist es ein Buch, das viele spannende Ideen hat, mich aber emotional erst später wirklich gepackt hat.

Handlung

Die Geschichte spielt im bekannten Universum von Oz und bringt neue Perspektiven und Hintergründe rein. Besonders interessant ist, dass man nicht nur einer Figur folgt, sondern mehrere Blickwinkel bekommt. Dadurch wird die Welt vielschichtiger, aber gleichzeitig auch etwas langsamer im Aufbau.

Gerade am Anfang hatte ich das Gefühl, dass sich alles ein bisschen zieht. Es passiert zwar etwas, aber es fühlt sich nicht richtig greifbar an. Erst im späteren Verlauf nimmt die Handlung deutlich an Fahrt auf und man beginnt, Zusammenhänge zu erkennen. Ab da wird es auch deutlich spannender.

Charaktere

Dorothy fand ich schwierig. Ich mochte sie grundsätzlich, sie wirkt sympathisch, aber ich hatte oft das Gefühl, dass sie viel zu wenig für sich selbst einsteht. Gerade in Situationen, in denen sie klar sagen könnte, was sie will oder nicht will, bleibt sie eher passiv. Das hat mich teilweise echt frustriert.

Cleo hingegen konnte ich sehr gut verstehen. Ihre Gedanken und Emotionen waren für mich greifbarer und ich hatte das Gefühl, dass hinter ihr noch viel mehr steckt. Sie wirkt wie eine Figur, die im Laufe der Geschichte noch extrem wichtig wird.

Die Vogelscheuche mochte ich sofort. Da war direkt eine gewisse Sympathie da und ich hatte das Gefühl, dass hinter ihr noch mehr Geschichte steckt, die man unbedingt erfahren möchte.

Beim Blechmann fand ich besonders die Hintergrundgeschichte spannend, auch wenn ich mir da noch mehr Details gewünscht hätte.

Beziehungen

Die Beziehungen entwickeln sich eher langsam. Gerade die Dynamik zwischen Dorothy und Rook war für mich vorhersehbar, aber trotzdem interessant zu beobachten. Ich war mir nur nie ganz sicher, wie echt oder tief diese Verbindung wirklich ist.

Allgemein hatte ich bei vielen Beziehungen das Gefühl, dass noch Geheimnisse im Raum stehen. Das ist spannend, schafft aber auch ein bisschen Distanz.

Spannungsbogen

Der Spannungsaufbau ist für mich der größte Kritikpunkt. Die erste Hälfte war mir einfach zu langgezogen. Es werden viele Fragen aufgeworfen, aber nur wenige beantwortet.

Die zweite Hälfte macht einiges wieder gut. Da wird es deutlich intensiver, die Handlung zieht an und vor allem das Ende hat mich echt überrascht. Damit habe ich so nicht gerechnet.

Schreibstil

Der Schreibstil ist angenehm und leicht zu lesen. Durch die Perspektivwechsel bekommt man viele Einblicke, was ich grundsätzlich sehr mochte. Gleichzeitig hat genau das aber auch dazu geführt, dass die Geschichte manchmal etwas zerfasert wirkt.

Fazit

West of Wicked ist ein Buch mit starken Ideen, interessanten Figuren und einem richtig guten letzten Abschnitt. Es braucht aber Geduld.

Für mich war es so:
Anfang eher zäh
Mitte solide
Ende richtig gut

Ich bin am Ende froh, drangeblieben zu sein, auch wenn es mich nicht durchgehend gefesselt hat.