Auf der Suche nach der Balance
Das Buch „What the River Knows“ von Isabel Ibáñez ist am 30.01.2025 im Ravensburger Verlag erschienen. In dem 544 Seiten langen Fantasyroman geht es um Inez Olivera, die nach Ägypten reist, um herauszufinden, was mit ihren angeblich verstorbenen Eltern wirklich geschehen ist.
Die Handlung folgt Inez, die bei ihrer Tante aufwächst ist. Als sie erfährt, dass ihre Eltern auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen sind, reist sie kurzerhand nach Ägypten, wo diese zuvor waren. Inez Olivera ist als Hauptcharakter gut ausgearbeitet, ihre Motivation und ihr innerer Konflikt sind nachvollziehbar und glaubwürdig dargestellt.
What the River Knows ist ein Roman mit spürbarem erzählerischem Potenzial – zugleich ein Text, der sich seiner Wirkung manchmal selbst beraubt. Isabel Ibáñez gelingt es, starke atmosphärische Bilder zu entwerfen, doch das Erzählen bleibt lange zögerlich und findet erst spät zu einem überzeugenden Rhythmus.
Der Beginn des Romans erfordert Geduld: Die Handlung entwickelt sich zunächst langsam, Spannung baut sich nur punktuell auf. Weltaufbau und Figurenzeichnung nehmen viel Raum ein, während narrative Dringlichkeit erst später entsteht. Erst im weiteren Verlauf zeigen sich die Stärken des Romans: sorgfältig komponierte Szenen, emotionale Verdichtungen und eine Atmosphäre, die nachhallt.
Besonders in diesen stärkeren Passagen beweist Ibáñez ein Gespür für innere Konflikte und Stimmung. Allerdings kippt der Ton hin und wieder ins Kitschige, wodurch die emotionale Wirkung abgeschwächt wird. Wo Zurückhaltung der Geschichte gutgetan hätte, setzt der Text auf Überhöhung und verliert dadurch an erzählerischer Präzision.
Auch das Erzähltempo bleibt uneinheitlich. Gerade in Momenten hoher Spannung wird die Handlung abrupt beschleunigt, Konflikte werden schnell abgehandelt und Entwicklungen überraschend zügig abgeschlossen. Die zuvor aufgebaute Spannung erhält kaum Raum zur Entfaltung und verpufft, bevor sie nachhaltig wirken kann.
Das Ende hingegen setzt einen wirkungsvollen Kontrapunkt. Der Cliffhanger funktioniert weniger als Abschluss denn als strategischer Bruch: Er bündelt noch einmal Spannung und lenkt den Blick nach vorn. Rückblickend wirkt er wie das Versprechen eines Romans, der sein erzählerisches Gleichgewicht möglicherweise erst im nächsten Band findet.
Insgesamt bleibt What the River Knows ein ambivalenter Text. Er überzeugt dort, wo Atmosphäre und emotionale Verdichtung zusammenfinden, und schwächelt, wenn Kitsch und Tempo die erzählerische Balance unterlaufen. Leser:innen, die bereit sind, sich auf diese Unebenheiten einzulassen, finden einen Roman mit einzelnen starken Momenten – und mit Potenzial für die Fortsetzung.
Die Handlung folgt Inez, die bei ihrer Tante aufwächst ist. Als sie erfährt, dass ihre Eltern auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen sind, reist sie kurzerhand nach Ägypten, wo diese zuvor waren. Inez Olivera ist als Hauptcharakter gut ausgearbeitet, ihre Motivation und ihr innerer Konflikt sind nachvollziehbar und glaubwürdig dargestellt.
What the River Knows ist ein Roman mit spürbarem erzählerischem Potenzial – zugleich ein Text, der sich seiner Wirkung manchmal selbst beraubt. Isabel Ibáñez gelingt es, starke atmosphärische Bilder zu entwerfen, doch das Erzählen bleibt lange zögerlich und findet erst spät zu einem überzeugenden Rhythmus.
Der Beginn des Romans erfordert Geduld: Die Handlung entwickelt sich zunächst langsam, Spannung baut sich nur punktuell auf. Weltaufbau und Figurenzeichnung nehmen viel Raum ein, während narrative Dringlichkeit erst später entsteht. Erst im weiteren Verlauf zeigen sich die Stärken des Romans: sorgfältig komponierte Szenen, emotionale Verdichtungen und eine Atmosphäre, die nachhallt.
Besonders in diesen stärkeren Passagen beweist Ibáñez ein Gespür für innere Konflikte und Stimmung. Allerdings kippt der Ton hin und wieder ins Kitschige, wodurch die emotionale Wirkung abgeschwächt wird. Wo Zurückhaltung der Geschichte gutgetan hätte, setzt der Text auf Überhöhung und verliert dadurch an erzählerischer Präzision.
Auch das Erzähltempo bleibt uneinheitlich. Gerade in Momenten hoher Spannung wird die Handlung abrupt beschleunigt, Konflikte werden schnell abgehandelt und Entwicklungen überraschend zügig abgeschlossen. Die zuvor aufgebaute Spannung erhält kaum Raum zur Entfaltung und verpufft, bevor sie nachhaltig wirken kann.
Das Ende hingegen setzt einen wirkungsvollen Kontrapunkt. Der Cliffhanger funktioniert weniger als Abschluss denn als strategischer Bruch: Er bündelt noch einmal Spannung und lenkt den Blick nach vorn. Rückblickend wirkt er wie das Versprechen eines Romans, der sein erzählerisches Gleichgewicht möglicherweise erst im nächsten Band findet.
Insgesamt bleibt What the River Knows ein ambivalenter Text. Er überzeugt dort, wo Atmosphäre und emotionale Verdichtung zusammenfinden, und schwächelt, wenn Kitsch und Tempo die erzählerische Balance unterlaufen. Leser:innen, die bereit sind, sich auf diese Unebenheiten einzulassen, finden einen Roman mit einzelnen starken Momenten – und mit Potenzial für die Fortsetzung.