Ein einsamer Hof voller bitterer Geheimnisse.

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
fönbo Avatar

Von

Elena Fischers neuer Roman zieht die Leserschaft in eine düstere Melancholie der ländlichen Szenerie im Dezember 1963.

Im Mittelpunkt steht Protagonist Joseph, dessen tiefe Verzweiflung und Einsamkeit einen berühren. Dass seine Frau Lis ihn samt Sohn verlassen hat, gilt damals als echter Skandal. Die drückende Sprachlosigkeit und erlittene Schuld lassen die Atmosphäre auf dem Hof regelrecht gefrieren.

Der schlichte, aber unglaublich bildhafte Schreibstil erzeugt großes Kopfkino. Die Autorin schlägt hier leisere Töne an.

Die tiefe, geheimnisvolle Verbundenheit zu Schwägerin Ada wirft schon früh spannende Fragen auf. Josephs Resignation und die Abgeklärtheit an seinem vermeintlich letzten Tag erzeugen nervenaufreibende Spannung. Man spürt den extremen gesellschaftlichen Druck, der auf den einzelnen Figuren lastet.

Die karge, fast schon spröde Sprache passt perfekt zu dieser traurigen Welt. Kleine Details im Text vermitteln meisterhaft das bittersüße Gefühl von Verlust und Sehnsucht.

Es deutet sich eine tiefgründige, unvergessliche Charakterstudie über verpasste Lebenswege an.

Diese packende Kostprobe hinterlässt das dringende Verlangen, die gesamte Familiengeschichte zu entschlüsseln.