"Dieser sture Drang des Menschen, sich einfach nach Belieben zu bedienen. Abholzen, graben, sprengen." S. 90

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
mrsdarcyreveals Avatar

Von

Anne Sverdrup-Thygeson, Professorin für Naturschutzbiologie, hat nach sechs gefeierten Sachbüchern nun ihren ersten Roman vorgelegt - "Der Einsiedlersommer".

Eva ist dreiunddreißig und muss raus aus ihrem Leben, denn sie hält die Hilflosigkeit ihrer Trauer nicht mehr aus.
Hinter dem Rücken ihres Lebensgefährten nimmt sie einen Sommerjob auf Lopperud an. Im Jahr zuvor tauchte dort unverhofft der Eremitenkäfer - Osmoderma eremita - auf, nachdem man ihn jahrzehntelang in Norwegen für ausgestorben hielt. Gemeinsam mit Hündin Orca begibt sie sich in tiefe Wälder voller uralter Bäume und macht sich auf die Suche - nach dem Käfer und nach sich selbst.
Ihre exzentrische Nachbarin Olga, 76 und selbstgewählte Einsiedlerin, wird schnell zur Verbündeten. Gemeinsam sind sie sich Stütze in schwierigen Zeiten und begleiten sich gegenseitig auf dem Weg der Heilung.

Auf 477 Seiten entführt Sverdrup-Thygeson ihre Leserinnen und Leser in die Wälder Norwegens. Dabei vermittelt sie nicht nur wertvolles Naturwissen, sondern auch jede Menge Lebensweisheit. Angesichts fortschreitender Umweltzerstörung unter dem Deckmantel der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes ist dieses Buch nicht nur hochaktuell, sondern auch brisant. Denn "In der Regel steht die Natur auf der Verliererseite. Sie zieht immer den Kürzeren." S. 319

Authentisch und ehrlich erzählt sie von den Problemen unserer Zeit und es wäre wünschenswert, wenn politische Entscheidungsträger dieses Buch in die Hände bekämen.

Ein Buch mit angenehmen, flüssigem Schreibstil und kurzen Kapiteln, das uns erkennen lässt "Was wichtig, schön und schützenswert ist, hängt vom eigenen Standpunkt ab." S. 272

Eine lesenswerte Geschichte über Ressourcenverschwendung, Nachhaltigkeit und die Klimakrise - mit Nachdruck, ohne dabei aufdringlich zu sein.