Einfühlsam, aktuell, lesenswert

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taina Avatar

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Dieser sehr lesenswerte Roman stellt die Natur und das Leben sowie deren Fragilität in den Mittelpunkt des Erzählens.
Norwegen im Jahr 2012. Eva, 34-jährig, Promotionsstudentin, sucht nach der Stillgeburt ihres kleinen Sohnes den Abstand von ihrem Umfeld und ihrem Lebensgefährten, den ihr eine Arbeit in Lopperud, einem norwegischen Landstrich, bieten soll. Sie bezieht ein kleines Haus im Wald und soll nun für drei Monate die Gegend kartieren und Insektenfallen anbringen, um die Vorkommen und den ökologischen Wert der Gebiete zu erfassen. Vor allem der Eremit erregt ihr Interesse, er galt als ausgestorben, bis ein Exemplar in dieser Gegend gefunden wurde: ‚Der seltenste Käfer Norwegens /…/, ein Symbol dafür, dass es immer noch Hoffnung gab.‘ Hoffnung auch für sie, ihr Trauma zu überwinden?
Ausgerechnet in dem Gebiet, in dem uralte Eichen Lebensraum für so viele Spezies bieten, soll Gestein abgebaut werden, der Larvikit. Älter als die Bäume, nur in diesem Teil Norwegens vorkommend, bietet der Abbau den Gemeinden die Möglichkeit für wirtschaftlichen Aufschwung. Das Gestein ist regional und damit ökologischer als importierte Ware, dennoch würde der Abbau die Natur unwiederbringlich zerstören. Der Konflikt ist ein unlösbarer, er wird behutsam thematisiert, die Diskussion eröffnet.
Eva lernt ihre sechsundsiebzigjährige Nachbarin Olga kennen, die anfänglich sehr abweisend reagiert. Langsam finden die beiden Frauen zu einem vertrauensvollen Verhältnis. In ihren Leben gibt es Parallelen, beide haben ein Kind verloren. Olga hat den Krieg miterlebt, die Ereignisse haben tiefe Spuren bei ihr hinterlassen.
Der auktoriale Erzähler bietet den Lesern abwechselnd die Innensichten von Eva und Olga. Die Kapitel sind kurz und spannend, der Fokus wechselt zwischen den beiden Frauen, sodass sich immer wieder Verzögerungen im Erzählverlauf ergeben. Dadurch kann das Geschehen in das Bewusstsein der Lesenden einsickern, sie können Vermutungen anstellen und das Gelesene nachwirken lassen. Nach und nach wird Olgas Vergangenheit enthüllt und sie kann sich mit dem versöhnen, was geschehen ist.
Eine schöne Lektüre, die sensibel und vielschichtig mit den komplexen Problemen umgeht. Psychologisch glaubwürdig wird Evas Trauer geschildert, selten sind für den Tod eines Kindes so überzeugende Bilder gefunden worden. Die Autorin schafft es, den inneren Schmerz Evas und dessen körperliche Symptome in Worte zu kleiden, deren Wahrheit die Lesenden erreicht. Fast zerbricht Evas Partnerschaft daran, obwohl auch ihr Lebensgefährte Eirik dieses Gefühl aushalten muss. Und die Trauer wird nicht enden – die Menschen müssen lernen, damit zu leben. Olga bringt ihrer kleinen Tochter stets frische Blumen auf deren Grab.