Grenzen

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bookworld91 Avatar

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Ein nahezu ausgestorbener Käfer. Eine Frau, die mit einem Verlust zu kämpfen hat. Und eine Einsiedlerin, die ein Geheimnis hat. Diese Konstellation erwartet mich in „Der Einsiedlersommer“.

Eva hat einen schmerzhaften Verlust zu verarbeiten. Da erhält die Biologin den Auftrag, den scheinbar ausgestorbenen Eremitenkäfer in Vestfold zu suchen. Sie trifft auf die zurückgezogene Olga, die ein eigenes Geheimnis hat. Daher weigert die alte Dame sich, ihr Grundstück zu Gunsten eines Steinbruchs zu verlassen. Werden die beiden Frauen eine Lösung finden?

Der Roman hat es geschafft, mich gleich zu Beginn zu fesseln. Das lag nicht an einer sehr spannenden Handlung, sondern im Gegenteil an der ruhigen Atmosphäre. Anne Sverdrup-Thygeson gelingt es, die Ruhe aus den norwegischen Wäldern zu mir nach Hause zu transportieren. Durch präzise Beschreibungen und detaillierte Vergleiche entsteht während des Lesens eine Szenerie in meinem Kopf, die einer möglichen Realität entspricht.

Auch die Handlung wird ruhig geschildert. Passend zum Titel Leben Eva und auch Olga eher zurückgezogen, sogar der Käfer zeigt sich kaum. Daher beschränkt sich die Handlung größtenteils auf die Geschehnisse im Dorf und selbst wenn das Thema Geheimnisse und Steinbruch gewisse Brisanz beinhaltet, wird es eher im ruhigen Ton geschildert. Dank der authentischen Beschreibungen wird es nicht langweilig und neue Blickwinkel ergeben sich schnell.

Was mich allerdings stört ist Evas Verhalten. Sie benutzt die Vorschlaghammer Methode, mischt sich ungefragt ein und erkennt die Grenzen nicht. Das empfinde ich während des Lesens als störend. Olga ist zwar der ruhige Gegenpol, aber Evas Getue nervt. Erst spät erkenne ich, dass Eva menschliches Eingreifen in natürliche Vorgänge verkörpert- etwas, das nicht immer ohne Folgen bleibt. Für mich ist die Folge, dass ich mich trotz Evas Bemühungen mehr zu Olga und der ruhigen, natürlichen Seite hingezogen fühle.

Insgesamt erhält der ruhige, atmosphärische Roman von mir vier Sterne. Über weitere Bücher der Autorin freue ich mich jetzt schon.