Unglaubwürdige Einsiedelei
Nachdem die Biologin Eva einen toten Sohn zur Welt bringen muss, will sie nur eines: Abstand. So bewirbt sie sich auf eine Projektstelle im Norden Norwegens, bei dem sie den ausgestorben geglaubten Eremitenkäfer nachweisen soll. Die größte Herausforderung scheint hier ihre abweisend wirkende Nachbarin Olga zu sein, mit der sie aber schon bald eine Freundschaft eingeht. Die wirklichen Schwierigkeiten sind aber die rein kapitalistisch geprägten Menschen, die den Lebensraum des Käfers zerstören wollen. Und eine NS-geprägte Familiengeschichte, die von Lügen und falschen Wahrnehmungen nur so strotzt.
Leider konnte mich das Buch so überhaupt nicht überzeugen. Zwar ist der Schreibstil der Autorin sehr kurzweilig, nichtsdestotrotz ist die Figurenzeichnung und die sich manchmal zäh entwickelnde Geschichte für mich sehr mau - und unglaubwürdig.
Ich beginne bei der Protagonistin Eva: sie ist eine oft sehr übergriffig agierende Person. Sie ist überaus neugierig und scheint keine Grenzen zu kennen. So besucht sie Personen im Altenheim, um die "wahre" Geschichte herauszufinden, ohne dabei auf die Gefühle anderer zu achten. Oder sie betritt Häuser einfach so, mit dem unglaubwürdigen Argument, sie würde sich Sorgen um die betreffende Person machen. Dem nicht genug, wird ihr jegliche Übergriffigkeit aber sofort wieder verziehen. Sie wird beschrieben als Person, der die Natur sehr am Herzen liegt, aber als es wirklich darauf ankommt, nimmt sie einfach alles so hin, wie es ist. Ein weiterer Punkt, der nicht so recht stimmig erscheinen mag, ist ihr Verhältnis und ihr Umgang mit Männern. Sie fühlt sich von ihrem Lebenspartner eingeengt und nimmt diesen Job an, ohne ihn darüber zu informieren - mit der Begründung, dass sie durch den Verlust ihres gemeinsamen Kindes viele psychische Schmerzen erleiden musste, was ja durchaus plausibel klingt. Sie ist ihm - Einar - gegenüber aber oft so unfair, dass es ein Wunder ist, dass er trotzdem noch hartnäckig zu ihr steht. Abrupt und für mich nicht nachvollziehbar, ändert er seine Meinung und lässt dann wochenlang nichts von sich hören. Da streckt Eva schon ihre Fühler aus nach einem anderen, den sie "süß" findet, nur um herauszufinden, dass der doch nichts für sie ist, als sie sich annähern. Eva ist für mich insgesamt eine schwache und unausstehliche Person, bei der ich keine eindeutigen Haltungen erkennen konnte - was ich sehr schade finde.
Ziemlich sympathisch hingegen ist Olga, Evas schrullige 76-jährige Nachbarin, mit der sie sich recht schnell anfreundet - und das, obwohl Eva sich besonders ihr gegenüber sehr übergriffig verhält. Die ältere Dame ist eine zurückgezogene Person, die am liebsten nichts mit anderen Menschen zu tun haben mag. Warum sie trotzdem an Eva, die ihr gegenüber sehr viele Grenzen überschreitet, Gefallen findet, erschließt sich mir bis zum Schluss nicht. Olgas Charakter hat sehr viel Potenzial, wird aber leider am Ende hin zur naiven, wechselmütigen Charakterdarstellerin.
Die vorkommenden Männercharaktere sind ebenfalls allesamt für mich unglaubwürdig und bleiben weitgehend oberflächlich und vor allem: einseitig.
Was mich am meisten innerlich erzürnt hat, war aber, dass oft betont wird, dass es Eva in ihrer gesamten Gedankenwelt um die wirklich wichtigen Dinge im Leben geht, nämlich: dem unrespektvollen Umgang mit der Natur und dessen Zerstörung, sie aber schlussendlich überhaupt nicht in diese Richtung handelt. Oft wird vermittelt, als könnte sie den Status der Welt und wie Menschen mit Natur und Umwelt umgehen, gar nicht ertragen, aber am Ende akzeptiert sie einfach, dass halt Gesteine mit Profitgedanken abgebaut werden, obwohl die Natur rundherum zerstört wird.
Mein Fazit: "Der Einsiedlersommer" startet mit hehren Gedanken, hält im Laufe der Geschichte aber keineswegs, was es verspricht. Die Charakterzeichnungen sind für mich unglaubwürdig und oberflächlich, ebenso die Geschichten um NS-belastete Vorkommnisse. Das finde ich sehr schade, denn die Geschichte hätte für mich ein moralisch hochgehaltenes Potential gehabt, das leider einfach nicht erfüllt wird. Alle, die eine leichte Sommergeschichte mit viel Naturbeschreibungen lesen möchten, könnte das Buch aber trotzdem gefallen.
Leider konnte mich das Buch so überhaupt nicht überzeugen. Zwar ist der Schreibstil der Autorin sehr kurzweilig, nichtsdestotrotz ist die Figurenzeichnung und die sich manchmal zäh entwickelnde Geschichte für mich sehr mau - und unglaubwürdig.
Ich beginne bei der Protagonistin Eva: sie ist eine oft sehr übergriffig agierende Person. Sie ist überaus neugierig und scheint keine Grenzen zu kennen. So besucht sie Personen im Altenheim, um die "wahre" Geschichte herauszufinden, ohne dabei auf die Gefühle anderer zu achten. Oder sie betritt Häuser einfach so, mit dem unglaubwürdigen Argument, sie würde sich Sorgen um die betreffende Person machen. Dem nicht genug, wird ihr jegliche Übergriffigkeit aber sofort wieder verziehen. Sie wird beschrieben als Person, der die Natur sehr am Herzen liegt, aber als es wirklich darauf ankommt, nimmt sie einfach alles so hin, wie es ist. Ein weiterer Punkt, der nicht so recht stimmig erscheinen mag, ist ihr Verhältnis und ihr Umgang mit Männern. Sie fühlt sich von ihrem Lebenspartner eingeengt und nimmt diesen Job an, ohne ihn darüber zu informieren - mit der Begründung, dass sie durch den Verlust ihres gemeinsamen Kindes viele psychische Schmerzen erleiden musste, was ja durchaus plausibel klingt. Sie ist ihm - Einar - gegenüber aber oft so unfair, dass es ein Wunder ist, dass er trotzdem noch hartnäckig zu ihr steht. Abrupt und für mich nicht nachvollziehbar, ändert er seine Meinung und lässt dann wochenlang nichts von sich hören. Da streckt Eva schon ihre Fühler aus nach einem anderen, den sie "süß" findet, nur um herauszufinden, dass der doch nichts für sie ist, als sie sich annähern. Eva ist für mich insgesamt eine schwache und unausstehliche Person, bei der ich keine eindeutigen Haltungen erkennen konnte - was ich sehr schade finde.
Ziemlich sympathisch hingegen ist Olga, Evas schrullige 76-jährige Nachbarin, mit der sie sich recht schnell anfreundet - und das, obwohl Eva sich besonders ihr gegenüber sehr übergriffig verhält. Die ältere Dame ist eine zurückgezogene Person, die am liebsten nichts mit anderen Menschen zu tun haben mag. Warum sie trotzdem an Eva, die ihr gegenüber sehr viele Grenzen überschreitet, Gefallen findet, erschließt sich mir bis zum Schluss nicht. Olgas Charakter hat sehr viel Potenzial, wird aber leider am Ende hin zur naiven, wechselmütigen Charakterdarstellerin.
Die vorkommenden Männercharaktere sind ebenfalls allesamt für mich unglaubwürdig und bleiben weitgehend oberflächlich und vor allem: einseitig.
Was mich am meisten innerlich erzürnt hat, war aber, dass oft betont wird, dass es Eva in ihrer gesamten Gedankenwelt um die wirklich wichtigen Dinge im Leben geht, nämlich: dem unrespektvollen Umgang mit der Natur und dessen Zerstörung, sie aber schlussendlich überhaupt nicht in diese Richtung handelt. Oft wird vermittelt, als könnte sie den Status der Welt und wie Menschen mit Natur und Umwelt umgehen, gar nicht ertragen, aber am Ende akzeptiert sie einfach, dass halt Gesteine mit Profitgedanken abgebaut werden, obwohl die Natur rundherum zerstört wird.
Mein Fazit: "Der Einsiedlersommer" startet mit hehren Gedanken, hält im Laufe der Geschichte aber keineswegs, was es verspricht. Die Charakterzeichnungen sind für mich unglaubwürdig und oberflächlich, ebenso die Geschichten um NS-belastete Vorkommnisse. Das finde ich sehr schade, denn die Geschichte hätte für mich ein moralisch hochgehaltenes Potential gehabt, das leider einfach nicht erfüllt wird. Alle, die eine leichte Sommergeschichte mit viel Naturbeschreibungen lesen möchten, könnte das Buch aber trotzdem gefallen.