Viel Natur, wenig Nähe
Der Titel „Der Einsiedlersommer“ und auch das Cover erscheinen mir passend.
Im Mittelpunkt steht Eva, die nach der Totgeburt ihres Sohnes Sander einen Job annimmt, der sie in die Einöde eines kleinen Städtchens und eines weitläufigen Waldgebiets führt. Um ihren Verlust zu verdrängen, vergräbt sie sich in ihre Arbeit, hinterlässt ihrem Partner Eirik lediglich eine Nachricht und ist ansonsten kaum ansprechbar.
Einzig ihre Nachbarin Olga weckt ihr Interesse. Die 76-Jährige hat sich weitgehend von der Welt zurückgezogen und wirkt zunächst abweisend. Nach und nach entwickelt sich zwischen ihr und der 33-jährigen Biologin Eva jedoch eine Freundschaft.
Natürlich steht auch die Natur im Mittelpunkt. Gemeinsam mit ihrem Hund erkundet Eva die Wälder, hängt Lebendfallen auf und kartiert das Gebiet, in dem sie den seltenen Eremitenkäfer vermutet. Ihre Arbeit weckt bei einigen Bewohnern der Gegend die Hoffnung, dass ein großer Umbruch verhindert werden kann. Denn die Wälder sollen einem Steinbruch weichen. Doch nicht jeder spielt mit offenen Karten.
Das Thema, das hier behandelt wird, ist wichtig und durchaus aktuell: Worauf sollte der Fokus liegen – auf dem Erhalt der Natur oder auf Wirtschaftlichkeit und damit auf Arbeitsplätzen und Infrastruktur für die Bewohner der Region? Eine Diskussion, die auch hierzulande immer wieder geführt wird, etwa wenn es um neue Straßen oder andere Bauprojekte geht.
Evas Suche nach dem Käfer ist allerdings auch eine Flucht vor der Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Trauer. Auch Eirik leidet unter dem Verlust seines Sohnes, doch Eva zieht sich komplett zurück. Sie „ghostet“ ihn und blockt jeden Versuch ab, gemeinsam mit ihm zu trauern. Dass sie zunächst Abstand braucht, konnte ich durchaus nachvollziehen. Dieses vollständige Abblocken fand ich allerdings schwierig, denn schließlich hat auch Eirik sein Kind verloren.
Eva war mir deshalb schnell unsympathisch. Sie handelt sehr egoistisch und überschreitet immer wieder Grenzen, die eigentlich klar sein sollten. Erst als sie begreift, dass sie Eirik verlieren könnte, versucht sie, sich ihm wieder anzunähern.
Auch Olga gegenüber verhält sie sich teilweise übergriffig. Sie mischt sich in deren Leben ein und unternimmt Dinge, die Olgas Leben verändern, ohne ausreichend zu berücksichtigen, ob diese das überhaupt möchte. Deshalb konnte mich auch die Entwicklung ihrer Beziehung nicht vollständig überzeugen. Dass ausgerechnet zwischen diesen beiden Frauen so schnell eine Freundschaft entsteht, erschien mir stellenweise zu plötzlich und nicht ganz nachvollziehbar.
Olga mochte ich dagegen sehr viel lieber. Sie trägt seit Jahrzehnten ein Geheimnis und einen Verlust mit sich herum, der ihre eigenen Zukunftspläne zunichte machten und letztlich dazu führte, dass sie sich immer weiter von der Welt zurückzog. Die Passagen, die sich mit Olga und ihrer Vergangenheit beschäftigen, haben mir deshalb deutlich besser gefallen.
Auch die Naturschilderungen haben mir gut gefallen. Die Suche nach dem Käfer fand ich allerdings teilweise etwas langatmig. Für mich war sie letztlich eher ein Nebenschauplatz, denn interessanter fand ich Olgas Vergangenheit, die bis in die Zeit des Zweiten Weltkriegs zurückreicht, und die Entwicklung zwischen den beiden Frauen.
Ein guter Kniff waren für mich Evas Beobachtungen, die in Form eines „Feldtagebuchs“ in die Geschichte eingestreut wurden. Dadurch konnten ihre Untersuchungen knapp und überschaubar abgehandelt werden, ohne dass die Handlung immer wieder ausführlich unterbrochen wurde.
Leider konnte mich die Geschichte insgesamt nicht überzeugen. Vor allem Evas Verhalten und die für mich nicht ganz nachvollziehbare Entwicklung ihrer Beziehung zu Olga haben es mir schwer gemacht, einen Zugang zu ihr und damit auch zur Geschichte zu finden.
Im Mittelpunkt steht Eva, die nach der Totgeburt ihres Sohnes Sander einen Job annimmt, der sie in die Einöde eines kleinen Städtchens und eines weitläufigen Waldgebiets führt. Um ihren Verlust zu verdrängen, vergräbt sie sich in ihre Arbeit, hinterlässt ihrem Partner Eirik lediglich eine Nachricht und ist ansonsten kaum ansprechbar.
Einzig ihre Nachbarin Olga weckt ihr Interesse. Die 76-Jährige hat sich weitgehend von der Welt zurückgezogen und wirkt zunächst abweisend. Nach und nach entwickelt sich zwischen ihr und der 33-jährigen Biologin Eva jedoch eine Freundschaft.
Natürlich steht auch die Natur im Mittelpunkt. Gemeinsam mit ihrem Hund erkundet Eva die Wälder, hängt Lebendfallen auf und kartiert das Gebiet, in dem sie den seltenen Eremitenkäfer vermutet. Ihre Arbeit weckt bei einigen Bewohnern der Gegend die Hoffnung, dass ein großer Umbruch verhindert werden kann. Denn die Wälder sollen einem Steinbruch weichen. Doch nicht jeder spielt mit offenen Karten.
Das Thema, das hier behandelt wird, ist wichtig und durchaus aktuell: Worauf sollte der Fokus liegen – auf dem Erhalt der Natur oder auf Wirtschaftlichkeit und damit auf Arbeitsplätzen und Infrastruktur für die Bewohner der Region? Eine Diskussion, die auch hierzulande immer wieder geführt wird, etwa wenn es um neue Straßen oder andere Bauprojekte geht.
Evas Suche nach dem Käfer ist allerdings auch eine Flucht vor der Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Trauer. Auch Eirik leidet unter dem Verlust seines Sohnes, doch Eva zieht sich komplett zurück. Sie „ghostet“ ihn und blockt jeden Versuch ab, gemeinsam mit ihm zu trauern. Dass sie zunächst Abstand braucht, konnte ich durchaus nachvollziehen. Dieses vollständige Abblocken fand ich allerdings schwierig, denn schließlich hat auch Eirik sein Kind verloren.
Eva war mir deshalb schnell unsympathisch. Sie handelt sehr egoistisch und überschreitet immer wieder Grenzen, die eigentlich klar sein sollten. Erst als sie begreift, dass sie Eirik verlieren könnte, versucht sie, sich ihm wieder anzunähern.
Auch Olga gegenüber verhält sie sich teilweise übergriffig. Sie mischt sich in deren Leben ein und unternimmt Dinge, die Olgas Leben verändern, ohne ausreichend zu berücksichtigen, ob diese das überhaupt möchte. Deshalb konnte mich auch die Entwicklung ihrer Beziehung nicht vollständig überzeugen. Dass ausgerechnet zwischen diesen beiden Frauen so schnell eine Freundschaft entsteht, erschien mir stellenweise zu plötzlich und nicht ganz nachvollziehbar.
Olga mochte ich dagegen sehr viel lieber. Sie trägt seit Jahrzehnten ein Geheimnis und einen Verlust mit sich herum, der ihre eigenen Zukunftspläne zunichte machten und letztlich dazu führte, dass sie sich immer weiter von der Welt zurückzog. Die Passagen, die sich mit Olga und ihrer Vergangenheit beschäftigen, haben mir deshalb deutlich besser gefallen.
Auch die Naturschilderungen haben mir gut gefallen. Die Suche nach dem Käfer fand ich allerdings teilweise etwas langatmig. Für mich war sie letztlich eher ein Nebenschauplatz, denn interessanter fand ich Olgas Vergangenheit, die bis in die Zeit des Zweiten Weltkriegs zurückreicht, und die Entwicklung zwischen den beiden Frauen.
Ein guter Kniff waren für mich Evas Beobachtungen, die in Form eines „Feldtagebuchs“ in die Geschichte eingestreut wurden. Dadurch konnten ihre Untersuchungen knapp und überschaubar abgehandelt werden, ohne dass die Handlung immer wieder ausführlich unterbrochen wurde.
Leider konnte mich die Geschichte insgesamt nicht überzeugen. Vor allem Evas Verhalten und die für mich nicht ganz nachvollziehbare Entwicklung ihrer Beziehung zu Olga haben es mir schwer gemacht, einen Zugang zu ihr und damit auch zur Geschichte zu finden.