Wenn die Natur zum Rückzugsort wird
Schon nach den ersten Seiten hatte ich das Gefühl, mitten in der norwegischen Natur zu stehen. Die Suche nach einem seltenen Käfer bildet den roten Faden der Geschichte, doch dahinter steckt viel mehr. Artenschutz, ökologische Zusammenhänge und menschliche Schicksale werden miteinander verbunden und regen zum Nachdenken an.
Der Schreibstil ist locker und einladend und gleichzeitig so bildhaft, dass man ganz in die Geschichte eintauchen kann. Besonders die wunderschönen Naturbeschreibungen haben mir gefallen. Ganz nebenbei erfährt man viel über biologische Zusammenhänge, ohne dass es belehrend wirkt. Am Ende hatte ich nicht nur einiges gelernt, sondern wollte am liebsten eine alte Eiche umarmen.
Im Mittelpunkt steht Eva, die nach einem schweren Verlust versucht, ihr Leben neu zu sortieren. Auch Olga, die zurückgezogen als Einsiedlerin lebt, trägt schwer an ihrer Vergangenheit und traumatischen Erlebnissen. Beide Frauen finden auf ihre eigene Weise Halt in der Einsamkeit der Natur. Für beide wird die Natur zu einem Ort, an dem sie zur Ruhe kommen und mit ihrer Vergangenheit umgehen können. Sie tragen ihre ganz eigenen Familiengeschichten mit sich herum und entwickeln sich im Laufe der Geschichte weiter. Besonders Olgas Veränderung hat mir gut gefallen. Man merkt, dass die Autorin viel Wert auf ihre Figuren legt.
Die Käfersuche bleibt dabei immer präsent und sorgt bis zum Ende für ausreichend Spannung. Gleichzeitig werden zwischenmenschliche Probleme und schwierige Lebensgeschichten thematisiert. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass die Geschichte mit ihren vielen Seiten doch recht umfangreich ist. Langweilig wurde sie für mich aber nie.
Ein atmosphärischer und tiefgründiger Roman, der Achtsamkeit für die Natur vermittelt und nach dem Lesen noch eine Weile im Kopf bleibt.
4/5 Sternen