Ein wahrlich fantastisches Buch

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Wie Kreide, vom Regen zu einem weißen Schleier verwaschen, begannen seine Umrisse zu verschwimmen und seine Konturen schwanden beinahe unmerklich. Im einen Moment sah Elsa einen Mann vor sich und im nächsten nur noch eine graue Silhouette. Seine Haut wurde zu Nebel. Die Sonne hinter ihm ließ ihn erstrahlen und umarmte ihn mit ihrem goldenen Schein, bis er nichts mehr von einem Mann an sich hatte, sondern immer mehr einer Wolke glich, die durch Zufall die Form eines Menschen angenommen hatte.


Inhalt
Elisa bricht ihre Zelte in New York ab, als ihr Leben in Trümmern liegt. Ihr Vater ist verstorben, die Beziehung mit ihrem Freund geht in die Brüche und auch ihren bisher geliebten aber anspruchslosen Job bei einem Magazin kann sie nicht mehr ertragen. Sie beschließt einen Neuanfang in dem kleinen Ort Thunderstown zu wagen und ihrem Leben wieder einen neuen Sinn zu geben. Als sie kurz nach ihrer Ankunft einen Ausflug auf einen der nahe gelegenen Berge unternimmt, kann sie ihren Augen nicht trauen, als sie Finn, einen jungen Mann sieht, der sich auflöst und zu einer Wolke transformiert. Die Begegnung lässt ihr keine Ruhe und so beschließt sie nach dem ersten Schock nochmal den Berg zu besteigen und den ihr Unbekannten zu suchen. Sie kann nicht ahnen, dass Finn, der ein Geheimnis mit sich trägt, ihr Leben von Grund auf ändern und ihr die Liebe zeigen wird. Eine Liebe, die auch die größten Winderstände überdauert.

Meine Meinung
Ali Shaw hat es geschafft mich zu bezaubern und in eine andere Welt zu entführen. Es gibt nur wenige Autoren, denen es gelingt, eine Atmosphäre zu erzeugen, in der man alles um sich herum vergessen und in die Handlung eintauchen kann. Auch wenn der Erzählstil zunächst gemächlich und ruhig erscheint und man gute 100 Seiten benötigt, um richtig in der Geschichte anzukommen, kann man das Buch nur schwerlich aus der Hand legen. Es ist poetisch, melancholisch, hat mich zum Nachdenken gebracht und auch ein wenig traurig gestimmt – eine Handlung voller Emotionen..

Die in der Geschichte verwendeten Fantasy-Elemente sind märchenhaft und haben mich sehr berührt. Das Wetter in Gestalt eines Menschen und die Elemente in Tierform zu verwenden, ist eine zauberhafte Idee. Der Wind wird so zum wilden Hund, die Sonnenstrahlen zu Kanarienvögeln und der Regen zu Wasserpferden. Und inmitten all der Extreme finden zwei Menschen die Fähigkeit sich trotz aller Unterschiede zu lieben. Elsa und Finn sind sympathische Protagonisten, mit denen man zu jeder Zeit mitfühlen konnte. Auch die Beschreibung von Thunderstown war so bildhaft, dass man sich den kleinen Ort mit der überdimensionierten Kirche sehr gut vorstellen konnte.

Ein Wort auch zum Cover, welches perfekt zu der Geschichte passt. Filigran und zart bilden Bäume und Sträucher einen Rahmen, in dem der Titel eine zentrale Position einnimmt und im Hintergrund Regentropfen fallen. Eigentlich eine einfach Idee, aber die Umsetzung ist wunderschön gelungen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man in einem Buchladen an diesem Eyecatcher vorbei laufen kann, ohne sich zumindest die Kurzbeschreibung durch zu lesen.

Fazit
"Der Mann, der den Regen träumt" ist eine poetische Geschichte mit dezenten Fantasy-Elementen, die mitten ins Herz geht und mich restlos begeistert hat. Was könnte also näher liegen, als eine absolute Kauf- und Leseempfehlung auszusprechen?