Vergessene Träume?

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Wessen vergessene Träume?
Clara, eine willensstarke junge Frau, die Ende des 19. Jh. mit ihren Mann nach Hawaii aufbricht. Dort sowohl die Hölle als auch den Himmel auf Erden findet.
Leonie, die ihr Leben irgendwie nicht auf die Reihe bekommt und als letzten Ausweg einen Praktikumsplatz auf Hawaii annimmt.
Hawaii, bekannt für ihre abwechslungsreiche Landschaft, u. a. mit farbigen Stränden in Papakolea (grün) sowie Punalu'u (schwarz) und üppigen Regenwäldern, aber auch einer erschütternden Geschichte.

Mein Fazit

Das Cover ist wunderschön und hat mich neben dem Klappentext, der dem Leser Geheimnisse um eine Familiengeschichte verspricht, sofort in seinen Bann gezogen.
Leider bin ich enttäuscht.
Enttäuscht zum einen vom Titel des Buches "Die Insel der vergessenen Träume". Inwiefern wurde Träume vergessen? Wessen Träume? Ich sehe in der Story nur Träume, die nicht wahr geworden sind ... aus vielerlei Gründen. Aber vergessen?
Enttäuscht zum anderen von der Handlung um Leonie. "... trifft sie den geheimnisvollen Einheimischen Nakoa. Beide verbindet mehr, als sie zunächst ahnen. Gemeinsam begeben sie sich auf die Suche nach den Spuren ihrer Familien. Leonie macht unerwartete Entdeckungen, die alles verändern.", so der Klappentext. Okay ... mehr oder weniger kann der Leser das im Buch finden, ich jedoch hatte mehr davon erwartet.

Vielleicht war das auch der Grund, warum ich mit den Protagonisten nicht warm werden konnte. Leonie ist mir einfach zu oberflächlich und Nakoa ... Ich weiß nicht. Auch finde ich ihre beider Geschichte nicht annähernd so spannend und interessant wie den zweiten Erzählstrang des Buches ... nämlich den von Clara. Es läuft irgendwie alles zu unproblematisch für Leonie. Ständig ist sofort eine Lösung in Sicht. Langweilig und unglaubwürdig.
Trotz allem tolle Nebencharaktere, die dem Ganze etwas Pepp geben.

Die Handlung um Clara finde ich ausnehmend klasse geschrieben. Es ist durch die vielen kleineren und größeren Konflikten und überraschenden Wendungen total spannend. Der Leser wird mitgenommen, sowohl in die Zeit, das Land und in das Leben der Protagonisten. Es ist so was von emotional geladen, dass der Leser richtig mitfiebern kann ... und das obwohl das Ende vorhersehbar ist.

Hier hätte ich mir gewünscht, diese beiden Erzählstränge nicht so getrennt voneinander abzuhandeln, sondern sie mehr miteinander zu verbinden. Die Geschichte von Clare hätte Leonie zusammen mit Nakoa aufdecken sollen.

Der Schreibstil der beiden Autorinnen liest sich wunderbar locker und flüssig. Der Ausdruck passt in die jeweilige Zeitebene.
Ganz besonders haben mir die Beschreibungen der Insel, ihrer Natur und Athmosphäre sowie ihren Menschen gefallen. Kopfkino :-) Großartig!

Alles in allem schwanke ich nun zwischen drei und vier Sternchen für das Buch. Aber wer auf der suche nach einer Familiengeschichte in Vergangenheit und Gegenwart sucht und dabei etwas über die Historie von Hawaii erfahren möchte, ist mit "Die Insel der vergessenen Träume" bestens bedient. Ich kann es auf jeden Fall empfehlen.