Ein Palast voller Geheimnisse und Masken

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nadjadn Avatar

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Der zweite Band der Spiegelreisenden-Saga hat mich erneut völlig in die faszinierende Welt von Christelle Dabos gezogen. Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast knüpft nahtlos an den ersten Band an und vertieft sowohl die Handlung als auch die Charaktere – ich fand das Buch wieder sehr gelungen.

Ophelia bleibt das Herz der Geschichte. Ihre Fähigkeit, durch Spiegel zu reisen und die Vergangenheit von Gegenständen zu lesen, wird nun noch wichtiger. Besonders spannend ist zu beobachten, wie sie beginnt, ihre Kräfte selbstbewusster einzusetzen und sich trotz der ständigen Bedrohungen am Hof zu behaupten. Ihre schüchterne, beharrliche Art macht sie nach wie vor sehr authentisch und liebenswert.

Thorn bleibt geheimnisvoll, aber man bekommt nach und nach kleine Einblicke in seine Gefühle und seine Beweggründe. Sein Verhalten ist oft rätselhaft, doch gerade diese Mischung aus Härte und vorsichtiger Nähe macht die Dynamik zwischen ihm und Ophelia so faszinierend.

Unter den Nebenfiguren sticht diesmal besonders Archibald hervor. Seine Intrigen werden komplexer und gefährlicher, und er treibt die Machtspiele am Hof entscheidend voran. Ebenso wichtig ist Faruk, der Familiengeist der Arche Himmelsburg, der Ophelia als Assistentin einspannt und deren Aufgabe es ist, verschwundene Persönlichkeiten zu finden. Seine Macht und Launenhaftigkeit machen ihn zu einer unberechenbaren Figur.

Auch Berenilde, die erste Favoritin von Faruk, spielt eine entscheidende Rolle. Ihre Verbindung zu Thorn und ihre geheimen Motive verleihen der Geschichte zusätzliche Tiefe und Spannung.

Neu eingeführt wird Melchior, Minister für Stil und Eleganz, dessen Fähigkeit, Illusionen zu erschaffen, den Hof noch rätselhafter und gefährlicher macht.

Die Atmosphäre ist weiterhin dicht und geheimnisvoll. Die Mischung aus höfischen Intrigen, politischen Machtspielen und Ophelias stiller Stärke fesselt mehr durch Spannung und Cleverness als durch actiongeladene Kämpfe. Das langsame, detailreiche Erzählen gibt viel Raum, um die Beziehungen zwischen den Figuren zu verstehen – auch wenn es manchmal Geduld verlangt.


Fazit:

Ein starker zweiter Band, der die Welt der Spiegelreisenden weiter entfaltet und die Figuren vertieft. Ophelia wächst über sich hinaus, Thorn bleibt faszinierend rätselhaft, Archibald treibt die Intrigen voran, und die neuen Charaktere wie Melchior und Berenilde bringen zusätzliche Spannung. Für mich ist Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast ein weiterer gelungener Schritt in dieser einzigartigen Saga, der neugierig auf die kommenden Bände macht.