Ein bereicherndes Buch mit kleinen Längen – Einblick in eine oft unsichtbare Welt

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In dem Roman „Ein ganz normales Wunder“ nimmt uns Woody Brown mit in die Einrichtung „Upward Bound“ in der Menschen mit unterschiedlichsten Beeinträchtigungen leben.

Die Geschichte ist wie eine wärmende Patchworkdecke aus vielen verschiedenen Episoden und Perspektiven zusammengenäht. Wir lernen die, von Dave – dem Inhaber der Einrichtung, der Wert auf diese Bezeichnung legt, sogenannten „Schützlinge“ mit spastischen Lähmungen oder einem autistischen Nervensystem kennen. Manche von ihnen sind völlig nonverbal und Bewegungseingeschränkt, andere reden wie ein Wasserfall oder gehen auch mal für kurze Zeit, unbemerkt ihre eigenen Wege. Gleichzeitig blicken wir hinter die Kulissen des Betreuer*innenteams.

Sprachlich ist das Buch sehr ruhig und direkt gehalten, was streckenweise leider etwas zäh oder fast langweilig wirkt. Auch erscheinen manche Figuren ein wenig klischeehaft gezeichnet. Die kurzen Kapitel mit den ständig wechselnden Erzählperspektiven retten jedoch das Tempo.

Das Buch hat mir insgesamt gut gefallen. Es transportiert den Wunsch nach Würde und Respekt auf Augenhöhe sehr gut. Auch wenn die Erzählungen viele traurige Aspekte beinhalten, strahlt die tiefe Empathiefähigkeit einiger Mitarbeiterinnen wärmend aus den Seiten.

Die vieldiskutierte Frage im Hintergrund, wie viel Anteil der autistische und nonverbale Autor tatsächlich selbst mittels gestützter Kommunikation an dem Text hatte, schwang für mich beim Lesen zwar beständig als Fragezeichen mit. Letztlich gelingt dem Roman aber genau das, was er sich vornimmt: Er schenkt uns einen berührenden Einblick in das Innenleben von Menschen, die sonst meist ungehört bleiben.