Sehr lebensfroh, aber keine leichte Kost

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henrike von buchstabensalat.net Avatar

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Dieses Buch habe ich via vorablesen.de erworben. Angesprochen hat mich als erstes das Cover, das mich in seinen Farben und auch mit dem etwas orientalischen Aussehen der Covermodels sehr an Bollywood-Filme erinnerte (womit das Buch generell aber nichts zu tun hat – nur die Stimmung ähnelte dem stellenweise ein bisschen). Die Beschreibung und die Leseprobe gaben dem dann den Rest.

Gelesen habe ich Wir leuchten im Dunkeln innerhalb einer langen Samstagnacht. Es gewitterte draußen, was es noch mal extra gemütlich machte. Das Buch selbst hat schon ein paar Seiten – s. oben -, was die Nacht eben in die Länge gezogen hat, aber ich habe jedes Wort genossen.

Die Geschichte nahm eine Wendung, die ich nicht erwartet hatte. Am Anfang war noch alles ungefähr so, wie ich es mir vorgestellt hatte, aber etwa ab dem letzten Drittel hat sich einiges getan, mit dem ich niemals gerechnet hätte. Das ist nicht schlecht, ganz im Gegenteil. Ich lasse mich gern überraschen. Allerdings gefiel mir die Geschichte ab diesem Punkt nicht mehr so gut, was wie gesagt nichts damit zu tun hat, das nicht alles nach meinen Wünschen ging, sondern weil ich die Figuren nicht mehr verstanden habe. Das Finale dagegen war wieder eine Punktlandung. Aber vielleicht sollte ich lieber von vorne anfangen.

Unsere Protagonisten treffen sich in einem Club. Sie ist mit ihren Freundinnen, er mit seinen Freunden unterwegs. Wegen einer Wette spricht er sie an, sie können sich gut leiden, gehen zusammen vor die Tür, spazieren durch die nächtliche Stadt. Die Chemie stimmt. Aber wie geht es nach dieser Nacht weiter? Welche Hindernisse stellen sich dem potentiellen Paar in den Weg und gibt es Möglichkeiten, diese zu umgehen? So weit, so gut. Bisher klingt es wie jeder andere Roman dieses Genres auch. Was Wir leuchten im Dunkeln für mich besonders macht, ist die Lebensfreude, die in beinahe jeder Szene, jedem Satz steckt. Allein die Leseprobe hat mich schon fröhlich gestimmt und dieses Gefühl hielt (bis zum letzten Drittel) im Grunde die ganze Zeit an. Natürlich gibt es Stellen, die nicht fröhlich sein sollen, da hatten andere Emotionen Vorrang. Die Moral dieser Geschichte ist meiner Ansicht nach folgende: Lebe das Leben, wie es kommt, und mache das Beste daraus. Es geht nicht immer darum, das beste für die Zukunft vorzubereiten, sondern auch darum, in der Gegenwart glücklich zu sein. Und dieses Glück, diese Freude am Leben und ganz simpel auch am lebendig Sein, dieses Gefühl ist beinah mit den Händen greifbar. Das bringt mich zurück zum Bollywood-Gedanken vom Anfang: In vielen Bollywood-Filmen gibt es Szenen (meist mit Musik und Tanz), die keinen anderen Zweck haben, als Lebensfreude auszudrücken. Vielleicht hat man deshalb das Cover in dieser Farbgebung und mit diesen Models gestaltet, um diesen Gedanken im Kopf des potentiellen Lesers in Gang zu bringen? Eine Verbindung sehe ich persönlich jedenfalls, so abstrus das auch klingen mag, und egal was ihr mir dazu sagt, ich bleibe dabei. 🙂

Die Figuren sind nicht unbedingt meine Lieblingsfiguren. Sie ist eine schwierige Person, die nicht immer nachvollziehbare Entscheidungen trifft. Ihre Vergangenheit und die Familiengeschichte spielen dabei eine wichtige Rolle, doch manchmal war sie einfach nur anstrengend. Er ist sehr undurchsichtig, so überhaupt nicht wie die Protagonisten, die ich bisher kenne. Er fällt in kein 08/15-Profil. Das gefällt mir sehr, wenn es auch gewöhnungsbedürftig war. Die Nebenfiguren haben ihre eigenen Probleme und dienen nur der Unterstützung der Protagonisten, wie es sich gehört, wirken dabei aber doch recht blass. Ich bin also nicht wirklich glücklich mit den Figuren und auch nicht mit den Entscheidungen, die sie in ihrem Leben treffen. Da für mich der Fokus dieses Buches aber auf der Botschaft „Lebe und Liebe dein Leben“ liegt, wie ich oben schon ausführlich beschrieben habe, komme ich damit klar.

Dass die Geschichte in der Schweiz, teilweise auch in Frankreich und England spielt, ist der nächste Pluspunkt. Viel zu viele Bücher haben ihr Setting aktuell in den USA oder auch in Deutschland – jedenfalls die, die auf dem deutschen Markt erfolgreich sind oder den Weg in mein Regal gefunden haben. Da ist es erfrischend, mal eine andere Location zu haben. Die Orte spielen auch eine Rolle, willkürlich sind sie also nicht gewählt. Manche Formulierungen fielen mir auf – aber natürlich sind sie mir jetzt während des Schreibens der Rezension vollkommen entfallen -, die ich als schweizerischen Slang interpretiere, da ich als norddeutsches Mädchen nie davon gehört habe, sie aber in absoluter Selbstverständlichkeit verwendet wurden. Das tut der Geschichte keinen Abbruch, doch es fällt eben auf.

Fazit
Wir leuchten im Dunkeln von Lina Wilms hat mich nicht vollkommen vom Hocker gehauen und ist zu lang, um mal eben zwischendurch gelesen zu werden. Eine gute Unterhaltung bietet das Buch dennoch und ich freue mich, die Chance gehabt zu haben, es zu lesen.